Workshop II: Wenn Grossmütter streiken! Über die Bedeutung und den Zusammenhang unbezahlter und mies bezahlter Frauenarbeit für einen Frauenstreik.

mit Anja Peter

Stellt euch einmal vor, alle Grossmütter in der Schweiz würden in den Streik treten. Und die Kinderbetreuerinnen in den Kitas, Tagesschulen, im Hort und auch die Tagesmütter täten ihnen gleich. Die Mütter und auch ein paar Väter würden nicht mehr an ihren Arbeitsplätzen erscheinen. Die Wirtschaft stünde still – zumindest ein Teil davon.

Fast dreiviertel der Kinderbetreuung von Kleinkindern in der Schweiz wird informell, das heisst unbezahlt gelöst. Der Rest  wird durch bezahlte Betreuungsangebote abgedeckt. Bei den Schulkindern beträgt das Verhältnis rund 55 zu 45 Prozent. Und der allergrösste Teil dieser Arbeit wird von Frauen geleistet – unbezahlt zu Hause oder mies bezahlt in den Institutionen. Überhaupt ist der Sektor der unbezahlten und bezahlten Care-Arbeit (Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege, usw.) ein Frauensektor. Als Folge der Zunahme der Erwerbsarbeit von Frauen wurde u.a. ein riesiger Sektor schlecht bezahlter Frauenberufe geschaffen.

Selber schuld? Die Frauen könnten ja andere Berufe wählen und andere Männer heiraten und sich gefälligst ein bisschen besser organisieren! Nein, sage ich, denn der eigentliche Skandal ist nicht die angeblich falsche Wahl oder die falsche Organisation der Frauen sondern die Bewertung dieser Arbeit. Weshalb verdient eine Pflegefachfrau weniger, als ein Banker? Weshalb ist der Lohn der Kleinkinderbetreuerin so viel tiefer, als jener des Informatikers? Weshalb dauert der Mutterschaftsurlaub nur lächerliche 14 Wochen? Weshalb hat die Grossmutter nur eine mickrige Rente?

Diesen Fragen wollen wir zusammen auf den Grund gehen und hoffentlich zum Resultat kommen, dass es an der Zeit ist, für einen gemeinsamen Streik der unbezahlten und mies bezahlten Care-Arbeiterinnen.

 

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